1. Was ist der Unterschied zwischen Ausgaben und Investments – und warum ist das so wichtig?

1. Was ist der Unterschied zwischen Ausgaben und Investments – und warum ist das so wichtig?

Lesezeit: 5 Minuten

Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit brauchen wir zunächst etwas Grundwissen. Das ist so ähnlich wie in der Schule beim Lernen einer neuen Sprache: zuerst ein par Vokabeln. Ohne geht’s nicht. Aber keine Sorge, wir beschränken uns auf zwei Begriffe. Wenn man die beiden und den Unterschied dazwischen verstanden hat, hat man bereits die halbe Miete. Zumindest was das Wissen angeht. Es geht um Ausgaben und Investments.

Kurz gesagt, eine Ausgabe ist ein Kauf oder Handel (Geld gegen Ware), bei dem die Ware anschließend abgenutzt oder verbraucht wird, üblicherweise ohne weiteres Geld einzuspielen. Ein Investment ist ebenfalls ein Kauf oder Handel, mit dem Unterschied, dass das erstandene Gut irgendwann in der Zukunft weiteres Geld einbringen soll. Im Optimalfall mehr als das ursprüngliche Investment gekostet hat. Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit wollen wir im Wesentlichen Investments machen und Ausgaben vermeiden.

Von Ausgaben, Luxus und Schnickschnack

Beispiel: klassische Ausgaben sind Essen (wird verbraucht) oder Kleidung (wird abgenutzt). Das gilt leider auch für die Frauenwelt: das schöne, neue, glänzende Paar Schuhe ist allenfalls ein emotionales Investment. Aber sobald es im Schrank zwischen den anderen hundert Paaren verschwunden ist, muss es als Ausgabe abgeschrieben werden. Weitere Beispiele für Ausgaben sind neue Möbel, das neue Auto oder eine privat genutzte Immobilie. Man könnte jetzt einwenden, dass ich die Sachen aber brauche um am Leben zu bleiben (insbesondere das Essen), und wenn ich sie mir nicht kaufe, kann ich auch kein Geld verdienen, mit dem ich irgendwann finanziell frei bin. Prinzipiell richtig. Aber der Knackpunkt an der Sache ist: wir wollen soweit kommen, dass unser Geld irgendwann für uns arbeitet und wir nicht mehr selbst arbeiten müssen. Und das erreichen wir nur mit Investments.

Streng genommen gibt es zwei Klassen von Ausgaben: notwendige und Schnickschnack. Notwendige Ausgaben sind z. B. das Essen, das ich brauche, um nicht zu verhungern oder die Kleidung, die ich brauche, um meinen Job zu machen. Wenn ich dadurch bequemer leben und mehr Motivation generieren kann, mein Geld zu verdienen, dann können auch ein schickes Auto oder ein eigenes Haus notwendige Ausgaben sein. Das will allerdings gut hinterfragt werden.

Schnickschnack dagegen sind Ausgaben, die darüber hinaus gehen. Dinge, die „lediglich“ emotionalen Mehrwert bieten und nicht zwangsweise notwendig sind. Wenn ich mein Auto nur zum Einkaufen und zum in die Arbeit fahren brauche, tut’s auch ein gebrauchter Kleinwagen für wenige tausend Euro. Ein Porsche dagegen, zum gleichen Zweck verwendet, wäre eindeutig Schnickschnack – oder möglicherweise sogar unpraktisch, weil ich den zweiten Kasten Bier nicht mehr in den Kofferraum bekomme und im schlimmsten Fall auf den eigenen Schoß packen müsste.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich will hier niemandem eine angemessene Portion Luxus absprechen. Es kann das durchaus förderlich sein, wenn bestimmter Schnickschnack, wohl dosiert, für eine bessere Motivation sorgt, die eigenen Ziele zu erreichen. Es sollte nur nicht zu viel Geld verbrauchen, das man ansonsten in Investments stecken könnte. Und ich würde beim Kauf von Luxusgütern immer abwägen: brauche ich diesen Luxus wirklich schon jetzt? Oder kann ich warten bis ich genug passives Einkommen habe und mich dieser Kauf nicht mehr direkt die eigene Arbeitszeit kostet? So habe ich es bisher z. B. geschafft, in meinem Leben dauerhaft auf ein eigenes Auto zu verzichten. Meine Wohnung war üblicherweise so gelegen, dass ich mit den Öffentlichen zur Arbeit gekommen bin und für den Party-Großeinkauf am Wochenende gab’s Car-Sharing. Dafür war dann die Wohnung etwas teurer, weil näher am Stadtzentrum. Das fand ich allerdings wieder besser als ein Auto weil ich näher bei meinen Freunden gewohnt habe und es auch nicht so weit hatte wenn ich abends ausgehen wollte. Und so weiter…

Von Investments, Skalierung und Vitamin B

So viel zu den Ausgaben. Investments dagegen werden mit der Absicht gemacht, mehr Geld einzuspielen als sie ursprünglich gekostet haben. Im besten Fall mit weniger Zeitaufwand als in meinen aktuellen Job. Diesen Zeitaufwand kann man sich sofort ausrechnen. Einfach das monatliche Nettogehalt durch die Anzahl der Arbeitsstunden pro Monat teilen und schon kennt man dein eigenen Stundenlohn. Damit hat man einen guten Richtwert, was die eigene Arbeitsleistung aktuell wert ist bzw. was eine Stunde investierte Lebenszeit an Geld einbringt. Bei einem Investment ist es wichtig, dass die darin investierte Zeit mittel- bis langfristig mehr Geld pro Stunde einbringt als die aktuelle Arbeit. Sonst könnte ich stattdessen lieber in die Arbeit gehen, weil ich damit mehr Geld pro Stunde verdiene. Es gibt aber eine Ausnahme. Ein neues Investment kann zu Anfang oft etwas weniger einbringen. Manchmal braucht es Zeit um Dinge in Schwung zu bringen, die nötigen Fortschritte zu machen. Aber nach hinten raus möchte ich, dass meine Investments lukrativer werden als meine aktuelle Arbeit.

Beispiele für klassische Investments sind Handel mit Aktien, Kauf einer vermieteten Immobilie oder der Aufbau eines eigenen Geschäftsmodells. Aber auch Hobbies können Investments sein, wenn man sie monetarisieren kann. Das kann vom Sammeln von und Handeln mit irgendwelchen seltenen oder wertvollen Dingen bis hin zu so etwas Abstrusem wie Gewinnspielen gehen. Ich habe früher, zu Studentenzeiten, eine Weile bei allen möglichen Gewinnspielen mitgemacht. Nicht nur wegen des Geldes. Mir hat das damals Spaß gemacht und ich wollte wissen, ob und was man so alles gewinnen kann. Ich hatte das zum Schluss regelrecht automatisiert und mich sogar bei Anbietern registriert, die etwas Geld verlangen, um mich bei neuen Gewinnspielen anzumelden. Den Kram, den ich gewonnen habe, habe ich dann bei eBay verkauft. Das hat eine Weile lang Spaß gemacht. Was hier schließlich gefehlt hat, war die weitere Skalierbarkeit. Das ist eine weitere wichtige Eigenschaft von Investments. Sie sollen irgendwann ein vielfaches von dem einbringen, was ich durch meine normale Arbeit verdiene. Das Investment soll ausbaubar sein, ich möchte es bei Zeiten auf den nächsten Level bringen können. Bei den Gewinnspielen war das nur begrenzt möglich. Ich habe es irgendwann nicht weiter geschafft, den Ertrag pro Stunde Arbeit zu steigern. Bei Aktien oder Immobilien kann man mit relativ kleinem Einsatz anfangen und diesen immer weiter steigern, bis in die Millionen oder sogar Milliarden. Der Ertrag hängt im Wesentlichen vom Geldeinsatz ab und weniger von der investierten Zeit.

Und es gibt noch einen wichtigen Aspekt, der bei der Skalierung eines Investments unglaublich helfen kann: Beziehungen. Durch Interaktion mit anderen Menschen kann ich austesten, was diesen Leuten wichtig ist und was sie brauchen können. Wenn ich zufällig etwas habe, was jemand anderes braucht und er auch noch bereit ist, mir mehr dafür zu bezahlen als ich ursprünglich bezahlt habe, dann ergibt sich die klassische Win-Win-Situation. Das kann vom Handel von Waren gegen Geld bis hin zum Auftrag gehen, den ein Wettbewerber im gleichen Business gerade rein zeitlich nicht abarbeiten kann und deswegen an mich weiter gibt. Letzteres höchstwahrscheinlich in der Hoffnung, in einer umgekehrten Situation dann von mir einen Gefallen erwiesen zu bekommen.

Durch das berühmt-berüchtigte Vitamin B können unglaubliche Skaleneffekte erreicht werden. Schade, dass es Leute gibt, die den Faktor Beziehungen schlecht reden. Oft heißt es: „Der hat das nur geschafft, weil er Beziehungen hat.“ Ich glaube, Leute, die das sagen, haben entweder selbst keine Beziehungen und sind neidisch auf andere, die welche haben. Oder sie haben das Prinzip dahinter noch nicht richtig verstanden oder wissen noch nicht genug, um es fruchtbar anwenden zu können.

Auf der anderen Seite ist etwas Vorsicht im Umgang mit Beziehungen angebracht. Es gibt auch Leute, die nicht die edelsten Absichten haben. Verträge zur Absicherung können helfen. Und wer glaubt, es gibt genug andere, die machen bestimmte Dinge schon für mich, und sich dabei selbst auf die faule Haut legt, der wird sich selbst vermutlich recht schnell abseits des eigenen Weges wiederfinden. Wie auch immer, ein sehr gutes Buch, aus dem ich selbst viel über den Aufbau von Beziehungen und Netzwerken gelernt habe, ist dieses hier: Erfolgsstrategie Networking: Business-Kontakte knüpfen, organisieren und pflegen von Monika Scheddin

Und auch das hier kann helfen: Über den Umgang mit Menschen von Adolph Freiherr von Knigge 😉

Fazit

Fassen wir zusammen: Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit wollen wir weg von Ausgaben, also Käufen, die Geld verbrauchen, vor allem von unnötigem Luxus (Schnickschnack). Wir wollen hin zu Investments, also Käufen, die mehr Geld einbringen als sie gekostet haben. Wir wollen passives Einkommen generieren in dem wir über geeignete Investments den eigenen Stundenlohn steigern und diese Investments skalieren. Das geht umso besser, je mehr Wissen wir über die Investments aufgebaut haben. Auch ein gutes Beziehungsnetzwerk kann hier Wunder wirken und will aufgebaut und gepflegt werden.

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