3. Mindset zu Geld – warum wir es anhäufen dürfen.

3. Mindset zu Geld – warum wir es anhäufen dürfen.

Lesezeit: 7 Minuten

In grauer Vorzeit, als es noch kein Geld gab, hatten wir als einzige Ressource unsere Lebenszeit. Also die Zeit, die unser Körper durchgehalten hat, bevor er schlapp macht. Diese Zeit haben wir investiert, um auf Futtersuche zu gehen und dadurch weitere Lebenszeit zu bekommen, also im Wesentlichen um zu überleben. Sie will auch heute noch gut genutzt sein. Jeder hat da (hoffentlich) so seine Ziele. Leider können die meisten von uns ihren Zielen nicht so viel Zeit widmen, wie sie gerne würden. Einen Teil dieser Zeit brauchen wir heute nach wie vor, um am Leben zu bleiben, also um uns mit Essen, häuslicher Sicherheit, Kleidung etc. zu versorgen.

Das Hamsterrad des (Über-)Lebens

Zurück in die graue Vorzeit. Damals, ohne Geld, waren wir Menschen zum größten Teil mit dieser Versorgung beschäftigt. Für die meisten Tiere besteht das komplette Leben interessanterweise fast ausschließlich aus diesem Hamsterrad aus Nahrungssuche zum Überleben. Gut, dass es noch zur Fortpflanzung und zur Aufzucht des Nachwuchses reicht, sonst hätten wir ein echtes Problem mit dem Überleben insgesamt. Ohne Geld bestehen kaum Chancen, aus diesem Hamsterrad auszubrechen. Unsere Vorfahren hatten, im Gegensatz zu den meisten Tieren, einen Körper, der weit genug entwickelt war, sodass sie freie Zeit in die Erfindung neuer Werkzeuge und Technologien stecken konnten. Damit ließ sich die Futtersuche beschleunigen oder das Futter länger haltbar machen und lagern. Dadurch hatten sie wieder mehr Zeit und bauten bessere Werkzeuge und so weiter. Aber erst mit dem Aufkommen von Geld konnte sich ein Handel und damit eine Arbeitsteilung entwickeln, wie sie heute in einer Komplexität vorherrscht, von der die Steinzeitmenschen nur träumen konnten. Und damit haben wir, im Vergleich zu damals, eine unglaubliche Sicherheit und Bequemlichkeit im Leben erreicht. Selbst in den ärmsten Ländern dieser Welt gibt es keine Freßfeinde mehr und wir müssen auch nicht mehr in Höhlen oder auf Bäumen leben.

Die meisten Menschen sind heute immer noch im gleichen Zyklus gefangen wie vor 20.000 Jahren. Mit einem Unterschied: die Futtersuche ist durch die Arbeit ersetzt worden. Durch Arbeit bekommen wir Geld, was wir wiederum dafür ausgeben können, um am leben zu bleiben, also z. B. Futter zu kaufen. Nicht nur für unseren Hamster. Aber Geld hat noch eine weitere faszinierende Eigenschaft. Man kann es auch NICHT ausgeben. Wenn man Geldentwertung und Inflation einmal außen vor lässt, ist das die perfekte Möglichkeit, die eigene Lebenszeit auf die hohe Kante zu legen. Ich arbeite ein par Stunden mehr als ich müsste, um „nur“ zu überleben und dann müsste ich theoretisch so lange nicht arbeiten, wie ich mir von dem gesparten Geld das notwendige Futter kaufen kann – und überlebe trotzdem. Ein faszinierendes System. Man kann Geld also als „geronnene Lebenszeit“ betrachten, als nicht-flüchtige, greifbare Zeit in fester Konsistenz, die ich mir ins Regal legen und dort lagern kann, bis ich sie später aufbrauchen möchte. Der alte Spruch „Zeit ist Geld“ ist wahr.

Wieviel Zeit ist Geld – und wie uns das emotional weiterhilft

Wenn dem so ist, wieviel Zeit ist Geld? Oder wieviel Geld ist Zeit? Kann ich das ineinander umrechnen? Die Antwort ist: ja, über meinen Stundenlohn. Bei einem Netto von 4.000 Euro im Monat und 40 Arbeitsstunden in der Woche habe ich einen durchschnittlichen Stundenlohn von 25 Euro (wenn man von den üblichen vier Arbeitswochen pro Monat ausgeht). Und das ist extrem spannend zu wissen. Wenn ich mir jetzt nämlich etwas gönne, was nicht unmittelbar zum Überleben beiträgt, also z. B. eine Tafel Schokolade oder einen Gang ins Kino, dann kann ich jetzt ziemlich genau sagen, wieviel Zeit mich das gekostet hat. Nehme ich zum Kinobesuch im neusten 3d-Blockbuster noch besagte Schokolade dazu, plus vielleicht noch eine Cola, etwas Popcorn und ein Eiskonfekt, dann habe ich wahrscheinlich in etwa diese 25 Euro ausgegeben. Der Film hat mich also nicht nur zwei Stunden Zeit gekostet (die Zeit, die ich tatsächlich im Kino verbracht habe), sondern eigentlich drei. Ich musste erst eine Stunde dafür arbeiten, um mir den Kinogang und die Schlemmereien leisten zu können.

Was bringt uns das jetzt auf unserem Ziel zur finanziellen Unabhängigkeit? Ich behaupte, eine ganze Menge. Wenn ich weiß, mit welcher „Geschwindigkeit“ (Stundenlohn) ich Geld produzieren kann, dann weiß ich auch, wie weh es _wirklich_ tut, wenn ich es wieder verliere. Wir haben gelernt, was der Unterschied zwischen Ausgaben und Investments sind. Investments sind für die finanzielle Unabhängigkeit unverzichtbar. Aber Investments sind auch risikobehaftet. Das investierte Geld kann verloren gehen, im schlimmsten Fall komplett. Um an dieser Stelle die mit diesem Verlust verbundenen Emotionen unter Kontrolle zu bekommen, kann es helfen, sich auszurechnen, wieviele Stunden Lebenszeit ich eigentlich investiere. Oder besser, wieviele Stunden ich aktuell bräuchte, um das Investment, das ich gerade eingehen will, im Falle des Totalverlusts wieder zu bekommen. Wenn ich z. B. weiß, bei einem Investment von 1.000 Euro sind das lediglich eine Woche Arbeitszeit, dann fällt es mir vielleicht viel einfacher, zu investieren. Wenn alles schief geht, was schief gehen kann, habe ich „nur“ eine Woche verloren. Und wenn die Arbeit, die ich habe, Spaß macht, dann kann ich mich sogar noch darauf freuen, ein verlorenes Investment wieder reinzuholen.

Spaß beiseite, wir sollten natürlich keine Investments absichtlich in den Wind schießen. Fakt ist, dass emotionale Entscheidungen bei Geldanlagen für einen überwiegenden Teil der Verluste in der Bevölkerung verantwortlich sind. Angst und Gier (über-)treiben die Börsen und sorgen für das übermäßige Aufschaukeln von Spekulationsblasen und für die anschließende Übertreibung nach unten, nach dem Platzen. Wichtig ist es, beim Investieren einen kühlen Kopf zu bewahren. Und das gelingt am besten, wenn man sich von dem investierten Geld emotional so gut wie möglich trennen kann. Wenn es einmal ins Investment gepackt wurde, sollte das Geld als weg oder eben als investiert betrachtet werden. So wie ein Bauer einen Teil seiner Ernte im nächsten Frühjahr wieder einpflanzt. Einmal im Boden ist dieser Teil für ihn weg, bis er nach einiger Zeit (hoffentlich) ein Vielfaches an Erträgen abwirft. Ich betrachte investiertes Geld so, als wäre es auf meinem Konto nicht mehr existent. Auch wenn ich das Investment jederzeit wieder verkaufen kann, so wie bei einer Aktie. Der Verkauf sollte niemals deswegen erfolgen, weil ich kalte Füße bekomme und meinen Einsatz zurück haben will. Das würde den ursprünglichen Investmentgedanken zunichte machen. Wenn ich vorzeitig liquidiere, dann allerhöchstens weil ich inzwischen zu dem Schluss gekommen bin, dass das Investment fehlgeschlagen ist und nicht mehr zum Erfolg geführt werden kann (man stellt fest, dass man das klassische „tote Pferd reitet“).

Investments als Spiel

Eine andere Möglichkeit ist es, das Geld für Investments als Spielgeld zu betrachten. Bei einem Computerspiel kann ich die Ressourcen, die ich im Spiel bekomme, auch nur im Spiel wieder ausgeben. Und wofür wird das Spielgeld üblicherweise ausgegeben? Für bessere Ausrüstung, mit der man stärkere Gegner besiegen kann und von denen man mehr Spielgeld bekommt. Oder für die Entwicklung neuer Technologien um Produktionsgebäude zu verbessern und deren Ertrag zu steigern. Ein klassisches Investment also. Im Unterschied zum realen Leben kann ich das Spielgeld eben nicht konsumieren, um davon ins Kino zu gehen oder mir anderweitig Spaß zu verschaffen. Das Investment innerhalb des Spiels _ist_ der Spaß. Daher kommt auch niemand auf den Gedanken, das Spielgeld _nicht_ zu investieren. Nach dem Ende des Spiels verfällt es wertlos.

Lege ich mir nun einen Teil meines Geldes beiseite und reserviere ihn ausschließlich für Investments, kann ich hier nach dem gleichen Prinzip vorgehen. Das Geld _muss_ investiert werden, sonst verfällt es irgendwann, spätestens nach dem ultimativen Game Over, dem Tod, wenn es nicht vorher von der Inflation aufgefressen wird. Natürlich bedarf es dazu einer gewissen Disziplin, das Investmentkonto nicht doch zwischendurch zu plündern um sich einen neuen Fernseher zu leisten, der eine Nummer größer ist als notwendig. Und ein zweiter Punkt ist extrem wichtig: Fehlgeschlagene Investments müssen zum Lernen genutzt werden. Das erhöht massiv die Chancen auf einen Gewinn beim nächsten Mal. Jedes Mal, wenn eines meiner Investments nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe, dann analysiere ich das und versuche, die Gründe für den Fehlschlag zu finden – um es beim nächsten Mal besser zu machen. Vielleicht brauche ich etwas Zeit, um das nötige Geld für ein nächstes Mal zusammen zu bekommen. Aber das hat ja schon beim letzten Mal funktioniert.

Geld ist weder gut noch schlecht – es kommt immer darauf an, wie man es nutzt.

Wie wir es auch immer drehen und wenden, wichtig ist ein gesundes Verhältnis zum Geld. Wer Geld nicht mag, wird es nicht schaffen, so viel anzuhäufen, dass er finanziell unabhängig wird. Es gibt da draußen jede Menge Coaches, Bücher und Tipps, wie man sein Verhältnis zu Geld so korrigieren kann, dass es auch mit der finanziellen Unabhängigkeit klappt. Zwei davon kann ich aus eigener Erfahrung mitgeben, ich habe sie selbst so noch nirgends gelesen:

Geld an sich ist weder gut noch schlecht. Es kann helfen, Geld wie ein Werkzeug zu betrachten, wie einen Hammer. Damit kann man Nägel in die Wand schlagen – oder Löcher in Köpfe. Es kommt immer darauf an, was man damit anstellt. Wer glaubt, dass die Verteilung von Geld auf dieser Welt ungerecht sei (1% der Menschen besitzen 90% des Geldes, Link): es gibt eine spannende Begründung, warum dies so ist (Link auf Geschichte Gleichverteilung und anschließende Umverteilung). Es liegt einfach in der Natur der Menschen, dass sich Ressourcen wie Geld ungleichmäßig verteilen. Man muss kein schlechtes Gewissen haben, weil man mehr besitzt als andere. Wenn man nicht gerade reich geerbt oder im Lotto gewonnen hat, hat man sich dieses „mehr“ üblicherweise hart erarbeitet. Und so etwas wie Privilegien gibt es nicht [Link auf Facebook-Video] – oder sagen wir besser, es ist nicht hilfreich, sich (oder anderen) nur deswegen etwas zu verwehren, weil jemand in ein Schwellenland hineingeboren wurde anstatt in eine Familie reicher Promis. Man kann das sogar ins Gegenteil verkehren: gerade _wenn_ ich vorhabe, einen guten Teil der Überschüsse aus eigener finanzieller Unabhängigkeit zum Wohle anderer zu verwenden, bin ich geradezu verpflichtet, dieses Ziel zu erreichen und dafür viel, viel Geld anzuhäufen. Bei mir ist es dann etliches besser aufgehoben als z. B. bei einem Mafiaboss oder Waffenhändler.

Eine zweite Möglichkeit, das Verhältnis zu Geld zu verbessern, ist ein kleines Gedankenspiel. Die absoluten Zahlen, die ich gleich nennen werde, mögen im Laufe der Zeit abweichen. Es kommt hier mehr auf die Verhältnisse an – und die sind seit Jahrhunderten ähnlich. Es gibt aktuell ca. 7 Mrd. Menschen auf dieser Welt. Der reichste Mensch der Welt besitzt ca. 50 Mrd. Dollar. Selbst wenn er sein gesamtes Vermögen gleichmäßig auf alle anderen Menschen verteilen würde, es bekäme jeder gerade einmal gut 7 Dollar. Für manche ist das viel, für andere fast nichts. Wichtig ist, es ist ein einmaliger Effekt, also selbst für die Ärmsten der Armen ein schönes Geschenk, aber keine Dauerlösung um sie aus der Armut zu befreien – und der reichste Mensch der Welt wäre auf einen Schlag pleite. Sein gesamtes Geld ist mit sehr wenig Wirkung verpufft und kann für ihn selbst nicht mehr arbeiten. Bedenkt man, dass gerade die Reichen extrem viel spenden (gerade _weil_ sie unter anderem dank ihres Reichtums die Zeit für das Organisieren von Wohltätigkeitsveranstaltungen und das Gründen von Stiftungen etc. haben), dann sieht man, dass Vermögen in der Hand eines Einzelnen in einer Konzentration, in der es finanzielle Unabhängigkeit schafft, auch für extrem viele andere gut sein kann. Also, Leute: hortet Geld, werdet finanziell unabhängig – und dann tut Gutes damit!

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen