5. Investitionen und Anlageklassen

5. Investitionen und Anlageklassen

Du hast es also bis hierher, bis zum letzten Artikel der Grundlagen-Serie geschafft. Herzlichen Glückwunsch! Damit hast du ein gutes Fundament für deine eigene finanzielle Freiheit, vor allem wenn du die Dinge gemacht hast, zu denen ich dich bisher aufgefordert habe.

Dann hast du jetzt eine Übersicht über deine Einnahmen und Ausgaben, kennst deinen Stundensatz und die Limits für die Reserve-Depots. Du hast dir die Negativ-Renditen deiner Schulden angeschaut, falls welche vorhanden sind. Auch der Betrag, der in die Investments fließen kann, ist dir einigermaßen klar oder zumindest in absehbarer Zeit größer Null.

Du weißt jetzt, wo das Geld herkommen kann, das du investieren möchtest. Und du weißt auch, wie du dich motivieren kannst, es zu verdienen und dich selbst während des gesamten Prozesses gut über Wasser halten kannst. Aber wo soll das Geld hin? Welche Investment-Möglichkeiten gibt es überhaupt und welche davon passen zu mir?

Ich habe selbst immer wieder festgestellt, dass es bestimmte Kriterien gibt, die Investments gemeinsam haben. Bevor ich auf die Investments einzeln eingehe möchte ich zuerst diese Kriterien vorstellen. Es ist wichtig, sie zu kennen. Das vereinfacht eine ganze Menge bei der späteren Beurteilung.

Mann kann sich das ungefähr wie bei einem Sammelkartenspiel vorstellen. Alle Karten haben bestimmte Eigenschaften, die unterschiedlich ausgeprägt sind. Angriffskarten haben bessere Kampfwerte als Verteidigungskarten und dann gibt es noch Karten, die Ressourcen produzieren und wieder verbrauchen können. Bei Investments ist das ganz ähnlich. Jedes Investment hat eine Reihe von Kriterien in unterschiedlicher Ausprägung. Und je nach dem, was für ein Typ ich bin, kann ich mir das zu mir passende Investment aussuchen und mein Geld auf eine entsprechende Karte setzen. Oder auch auf mehrere verteilen. Je nachdem.

Die Kriterien, die ich für die Beurteilung von Investments zusammengestellt habe, sind insgesamt acht an der Zahl. Man könnte sie auch als die Glorreichen Acht des Investments bezeichnen. Ich bin mir leider überhaupt nicht sicher, ob sich das einmal als geflügeltes Wort in der Szene durchsetzen wird, aber legen wir los.

Rendite

Das allerwichtigste bei einem Investment überhaupt. Sonst würde es niemand machen. Ich will, dass es eine Rendite abwirft. Das Geld soll sich schließlich vermehren.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Rendite auszuweisen. Vor allem in Finanzkreisen und bei vielen Fonds und ähnlichen professionell aufgemachten Anlageformen hat sich eine Methode durchgesetzt, die ich persönlich schon fast als betrügerisch bezeichnen würde. Es wird hier die Steigerung in Prozent angegeben, die das Investment seit Beginn gemacht hat. Das ist sehr praktisch für die Fonds, weil dabei richtig schön hohe Zahlen herauskommen können. Gerade bei längeren Laufzeiten. Da ist von Renditen von 120% oder 150% und mehr die Rede. Sieht toll aus. Genauer betrachtet heißt das allerdings, dass über die gesamte Laufzeit hinweg aus hundert Euro 120 oder 150 geworden sind. Aber wenn das Vehikel seit 5 Jahren oder länger am Markt ist, dann ist die jährliche Steigerung schnell mal unter 5% geschrumpft. Und das wirkt dann doch irgendwie mickrig.

Die Rendite in Prozent auszuweisen ist schon mal ziemlich gut. Man ist dann nicht abhängig vom tatsächlichen Betrag, den ich investieren möchte und kann sich die Gewinne sozusagen „pro Euro“ ausrechnen. Was aber unglaublich wichtig ist, um verschiedene Investments vergleichen zu können: die Laufzeit muss außen vor gelassen werden. Und das geht am besten mit der durschschnittlichen Rendite pro Jahr.

Die Formel dafür ist leider etwas komplizierter, aber sie passt trotzdem noch in eine einzelne Zelle in einer Excel-Tabelle. Ich habe dir hier eine kleine Tabelle gebaut, die du dir gerne für deine eigenen Investments kopieren kannst. Was wir brauchen ist der Startwert, mit dem die Anlage aufgelegt wurde (bei Fonds ist das meistens 100), das Startdatum und dann noch den heutigen Wert und das heutige Datum. Die durchschnittliche Rendite pro Jahr gibt mir dann an, um wieviel Prozent das Investment in jedem Jahr seit Start gestiegen ist, und zwar so als hätte man ganz zu Anfang einmal investiert und dann alles nur noch laufen gelassen. Dadurch ergibt sich ein Wert, der Investments ähnlich gut vergleichbar macht wie Kredite anhand des effektiven Jahreszinses. Und der ist nicht umsonst gesetzlich vorgeschrieben um Kredite vergleichen zu können. Das klappt dort auch unabhängig von der Laufzeit sehr gut.

Außerdem lasse ich üblicherweise die Eins vorm Komma weg, respektive die ersten Einhundert im Prozentwert. Ich will die reine Steigerung, die das Investment einbringt, und nichts weiter. Aus einer Rendite von 120%, wie im Hochglanzprospekt meistens ausgewiesen, wird also „nur“ 20%. Die Anlage macht mir aus einem Euro nach X Jahren Laufzeit 1,20 Euro. Oder aus hundert Euro macht sie 120. Das sind 20% Steigerung. Punkt. Wenn ich das noch, wie gerade beschrieben, aufs Jahr umrechne, habe ich eine einzige Kennzahl, mit der alle Investments prima vergleichbar sind. Und zwar auch dann, wenn sie eine unterschiedliche Laufzeit haben.

Aber was sagt uns diese Rendite nun wirklich? Machen wir einen Vergleich, um die Zahlen einordnen zu können.

Die langfristige Rendite von Aktien liegt bei etwa 5-8% pro Jahr. Das kann man sich recht einfach ausrechnen, indem man mit der eben vorgestellten Excel-Tabelle die jährliche Steigerung von großen Aktienindizes ausrechnet. Der Dow Jones-Index bietet sich hier prima als Kandidat an. Ihn gibt es schon seit 1884. Wir haben also eine Historie von fast eineinhalb Jahrhunderten, auf die wir zurück blicken können. Er ist in dieser Zeit von einem Startwert von knapp 41 auf – Stand heute – fast 35.000 Punkte gestiegen. Wenn man das wie in einem Wertpapierprospekt ausweisen würde, wäre das eine Steigerung von satten 83.400%. Eine wunderschön hohe Zahl für’s Marketing. Aber sie zeigt auch gleichzeitig das Potenzial, das Aktien haben. Entsprechend hätten sich 1.000 Euro, im Jahr 1884 in einem ETF auf den Dow Jones angelegt, bis heute auf über 83 Millionen vermehrt. Die durchschnittliche jährliche Rendite dagegen liegt bei gerade einmal 5,6%. Und das zeigt, dass mit verhältnismäßig niedrig erscheinenden Prozentzahlen durchaus etwas anzufangen ist. Der Zinseszins macht’s möglich.

Rechnet man sich die durchschnittlichen Renditen pro Jahr für andere große Indizes aus, kommt man auf ähnliche Zahlen. Das schwankt je nach Index etwas, aber im Schnitt kommt man immer wieder auf besagte 5-8%. Damit haben wir einen guten Richtwert, was ein Investment abwerfen sollte. Wie wir noch sehen werden, sind Aktien eines der besten und nachhaltigsten Investments überhaupt, insbesondere wenn ich den Arbeitsaufwand mit einrechne, den ich langfristig habe, um mein Depot zu pflegen. Den kann man nämlich je nach Anlagestrategie schön runterfahren, bis fast auf Null. Wenn ein Investment also weniger abwirft, sollte man sich gut überlegen, ob es den Aufwand wert ist. Wenn es mehr einbringt, muss besonders gut auf die Risiko-Seite geschaut werden, denn eine höhere Rendite geht oft mit einem höheren Risiko einher (auch hier werden wir sehen, dass das nicht immer der Fall ist).

Aber im Großen und Ganzen war’s das zur Rendite. Wichtig für uns ist, dass wir uns die durchschnittliche langfristige Rendite pro Jahr anschauen und der Richtwert von 5-8% zum Vergleich.

Laufzeit

Die Laufzeit spielt im Vergleich zur Rendite oft eine untergeordnete Rolle, ist aber nicht weniger wichtig. Wir wollen Investments, die über Jahrzehnte hinweg eine beschauliche Rendite abwerfen. Schließlich wollen wir uns nicht alle paar Jahre neu darum kümmern müssen, worin wir unser Geld anlegen.

Und hier kommt eine Faustregel, die ich grundsätzlich anders handhabe als die meisten anderen Menschen, die auf der Suche nach passenden Investments sind. Ich investiere nur noch in Anlagen, die sich seit mindestens fünf, besser zehn Jahren unter realen Bedingungen am Markt bewährt haben.

Wenn mir also ein Investmentberater etwas empfiehlt, dann ist eine meiner ersten Fragen, gleich nach der Rendite pro Jahr: „Wie lange gibt es das Ding denn schon?“ Und wenn er darauf sagt „Wir sind gerade frisch gestartet“ oder „Seit bereits zwei Jahren“, dann winke ich normalerweise ab und sage ihm, ich werde die Sache beobachten bis sie fünf Jahre oder länger existiert.

Der Grund dafür ist der, dass ich schon in etliche Anlagen investiert habe, bei denen es dann nach zwei, drei oder fünf Jahren hieß, das Ganze habe sich leider doch nicht so entwickelt wie anfangs gedacht. Meistens liegt das daran, dass es an der Börse Zyklen gibt. Die langfristigen Zyklen bewegen sich genau in diesem Zeitraum von zwei bis fünf Jahren. Wenn also eine Anlage diese fünf Jahre überlebt hat, dann hat sie üblicherweise einen langfristigen Zyklus mitgemacht. Auch dessen Abwärtsphase. Und wenn sie die überlebt, dann hat sie gute Chancen, auch die nächsten Jahrzehnte durchzustehen.

Was ich auch haben möchte sind Anlagen mit einer Endlos-Laufzeit. Das heißt, das Investment soll nicht darauf ausgelegt sein, dass es mir in, sagen wir einmal, zehn oder 20 Jahren zurück bezahlt wird. Dann muss ich nämlich wieder neu schauen, wo ich das Geld unterbringe und die Arbeit geht von vorne los.

Auch hier sind Aktien ein gutes Beispiel. Eine Firma will normalerweise so lange am Leben bleiben und wachsen wie es geht. Ein gutes Aktiendepot muss zwar laufend gepflegt werden und ab und an wird auch eine Aktie komplett ausgetauscht, aber die Laufzeit des gesamten Depots ist auf die Ewigkeit ausgelegt. Oder sagen wir besser, auf die eigene restliche Lebenszeit. Und wenn die Erben auch gelernt haben, sich gut darum zu kümmern, dann natürlich noch einiges länger.

Risiko

Risiken gibt es viele. Nicht umsonst sind die meisten Anlageprospekte so lang. Und das obwohl die Risiken meistens sehr klein gedruckt sind. Auch hier möchte ich nur kurz auf die wichtigsten eingehen, denn viele Risiken werden oft völlig falsch eingeschätzt. Das Risiko des Totalverlusts zum Beispiel. Es besteht theoretisch bei jeder Anlage. Auch bei denen mit Garantie. Schließlich kann auch der Garantiegeber pleite gehen. Dann hat man zwar eine garantierte Forderung, aber wie heißt es so schön: einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen.

Aber so schlimm wie das jetzt gerade klingt, ist es nicht. Das wichtigste an einem Risiko ist die Wahrscheinlichkeit, mit der es eintritt. Nur in Kombination mit dieser kann man genauer sagen, wie viel Aufmerksamkeit man diesem Risiko schenken sollte. Und die Wahrscheinlichkeiten für Totalverluste sind oft geringer als man glaubt, wenn man das Wort liest. Vor allem bei gut gemachten Anlagen (Stichwort: Laufzeit).

Trotzdem sind diese Wahrscheinlichkeiten oft nur schlecht zu beziffern. Konkrete Zahlen sind rar. Vor allem im Vorhinein. Hinterher ist man zwar schlauer, aber wenn man Pech hat, ist das Geld auch weg. Dann hat man zwar etwas aus der Sache gelernt aber das eigentliche Ziel ist nicht, Verluste zu machen sondern Gewinne. Das Gute an der Sache: durch diese Learnings stellt sich relativ schnell ein Gefühl ein, welche Risiken wie stark zu Buche schlagen können. Also im Zweifelsfall gilt die zweite Goldene Regel der Geldanlage:

Investiere nur Geld, das in schlimmsten Fall auch weg sein kann.
Das nicht morgen vielleicht für wichtige Dinge gebraucht wird.

Das kann mit folgender Faustregel kombiniert werden:

Je schlechter ich das Risiko einschätzen kann, desto weniger Geld wird investiert.

Mit diesen beiden Regeln ist man in den meisten Fällen auf der sicheren Seite und kann auch nach einem Fehlschlag noch weiter machen. Kleine Beträge zum Testen zu investieren ist also meistens eine gute Möglichkeit um mit einem Investment vertraut zu werden und dessen Risiken besser einschätzen zu können. Denn das ist das wichtigste: niemals alles auf eine Karte setzen. Ich will loslegen und das möglichst früh, um den Zinseszins-Effekt lange für mich arbeiten lassen zu können. Aber egal, was schief läuft, ich möchte in der Lage sein, weiter zu machen. Nur dann komme ich auf Dauer zum Ziel.

Wenn ich ein Risiko nicht gut beziffern kann, vor allem den Totalverlust, dann hilft es oft, sich das Verhalten der Anlage in einer Zeit anzuschauen, in der es einen Schwarzen Schwan gab. Wie hat sich das Vehikel geschlagen, als die Börsen abgetaucht sind? Z. B. in den Jahren der Finanzkrise 2008. Oder in den letzten Jahren, seit dem Ausbruch von Corona. In den großen Aktiencharts sieht man solche Schwarzen Schwäne meistens sehr gut und wenn die Anlage, in die ich überlege zu investieren, auch einen Chart hat, kann ich den Verlauf abgleichen und schauen was passiert ist. Wie stark ist der Chart im Vergleich zum Dax oder Dow Jones eingebrochen? Bei einer soliden Anlage würde ich erwarten, dass der Einbruch schwächer war, weil ein gutes Management rechtzeitig gegen gesteuert hat.

Im Trading gibt es ein wunderbares Vehikel um das Risiko relativ gut einschätzen zu können: den maximalen Drawdown. Das ist der größte Verlust, den ein Systemtrader in seiner Laufzeit bisher gemacht hat. Je geringer dieser maximale Drawdown desto geringer ist auch das Risiko, das man fährt, wenn man auf diesen Trader setzt. Natürlich muss man das in Kombination mit seiner Rendite und der Laufzeit betrachten, mit der er bereits am Markt ist. Ein Drawdown sagt wenig aus, wenn die Laufzeit erst bei ein bis zwei Jahren liegt. Aber seit ich mich mit Systemtrading beschäftige, schaue ich mir auch bei anderen Investments, die einen Chart haben, immer an, wie stark er maximal gefallen ist.

Zum Vergleich: Die großen Börsenindizes haben maximale Drawdowns von über 70, in schweren Krisen sogar 80%. Das heißt, in einer heftigen Krise gehen an der Börse im Schnitt bis zu 80% der vorher gemachten Gewinne verloren! Und trotzdem macht man mit Aktien langfristig seine 5-8% im Jahr, wenn man dauerhaft dabei bleibt und in der Krise nicht die Nerven verliert.

Bei einer gemanagten Anlage möchte ich, dass dieser maximale Drawdown niedriger ist als an der Börse. Bei den meisten guten Tradern liegt er bei um die 30-35%. Wenn es wesentlich mehr ist, also z. B. über 40%, dann Finger weg! Es gibt bessere Möglichkeiten. Das gilt auch für Fonds. Ein guter Aktienfonds muss länger als zehn Jahre existieren, in der Zeit den Markt geschlagen haben (durchschnittliche Rendite pro Jahr größer als 8%) und dann hat er auch meistens einen Drawdown, der nicht wesentlich über 50% liegt. Auch nicht in der Finanzkrise 2008.

Zum Risiko von Anlagen gibt es noch jede Menge mehr zu schreiben. Die meisten Risiken sind aber spezifisch für das jeweilige Investment. Aktuell plane ich eine Artikelserie, bei der ich auf die verschiedenen Investments einzeln eingehe und auch deren Risiken detailliert beleuchten möchte. Wenn dich das interessiert, dann mach bei meiner Feedback-Umfrage mit. Denn nur wenn ich weiß, was du als Leser brauchst und wissen willst, kann ich dir den Content liefern, der dich weiter bringt.

Einen letzten Punkt gibt es allerdings noch, den ich hier anbringen möchte. Er ist psychologischer Natur. Menschen sind von Natur aus risiko-avers. Die Angst vor Verlusten wiegt oft stärker als Freude bei Gewinnen. Das ist auch in wissenschaftlichen Studien belegt. Angeblich ist es emotional bis zu dreimal schlimmer, einen Euro zu verlieren, als es Glücksgefühle verursacht wenn man einen Euro gewinnt. Diese psychologische Schwelle muss überwunden werden. Denn rein statistisch werden mehr Versuche fehlschlagen bis man ein Ziel erreicht als man Treffer hat. Das gilt auch für die Geldanlage. Die Treffer müssen die Verluste also überkompensieren. Und das geht z. B. dann, wenn man anfangs mit weniger Geld loslegt, gut streut und später die Sachen aufstockt, die sich gut entwickelt haben.

Es geht auch nur dann, wenn man bereit ist, Verluste zu akzeptieren und trotzdem weiter zu machen. Auch wenn es weh tut und mehr Angst macht als ein Gewinn Freude bereitet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass fast jedes meiner Investments, das langfristig funktioniert hat, zu Anfang erst einmal etwas gefallen ist. Die wenigsten Aktien gehen gleich von Anfang an ab, wenn man einsteigt. Auch die Performance so ziemlich aller Trader unterliegt Schwankungen und man wird in den seltensten Fällen beim ersten Einstieg einen Tiefpunkt einer solchen Schwankung erwischen. Und wenn das frische Investment trotzdem sofort steigt, dann kann es passieren, dass man ein paar Wochen später die ersten angelaufenen Gewinne wieder dahinschmelzen sieht und sogar im roten Bereich landet. Solange sich nichts fundamental am Investment geändert hat gibt es nur eine Möglichkeit, das durchzustehen: Finger weg vom Verkaufen-Knopf! Wer emotional getrieben Knöpfe drückt, wird rein statistisch eher Verluste machen. Das berühmte Bauchgefühl trügt an der Börse! Zumindest in den ersten paar Jahren. Unsere Psychologie ist evolutionstechnisch bedingt so eingestellt, dass sie bei Finanzanlagen nicht von Anfang an funktioniert. Erst nach einigen Jahren und vielen Versuchen stellen sich die Learnings ein, die man braucht, um sich von der eigenen Psychologie nicht mehr ins Bockshorn jagen zu lassen. Dann kann man so langsam anfangen, seinem Bauchgefühl zu vertrauen. Und damit es dir besser ergeht als mir, schreibe ich diese Zeilen, in der Hoffnung dass dich deine Learnings nicht ganz so viel Geld kosten wie es bei mir der Fall war.

Passivität

Damit hätten wir die drei wichtigsten Eigenschaften zur Beurteilung von Investments abgehakt. Die folgenden sind nicht unwichtig, aber wenn die ersten drei nicht stimmen, brauche ich mir den Rest meistens gar nicht mehr anzuschauen.

Bei der Passivität will ich, dass die Anlage irgendwann zum Selbstläufer wird. Wir reden schließlich die ganze Zeit von passivem Einkommen und einer Maschinerie, die im Hintergrund von selbst arbeitet, um den eigenen Lebensstil zu finanzieren.

Das ist natürlich nicht zwangsweise notwendig. Wem es Spaß macht, beim Trading mit Aktien oder Kryptowährungen selbst Hand anzulegen oder sich um die eigenen Immobilien zu kümmern, Mieter zu suchen und Handwerker zu organisieren, der darf das gerne tun. Alle anderen sollten sich anschauen, wie viel Zeit ich langfristig in ein Investment stecken muss, wenn die grundlegenden Learnings einmal gemacht sind und es auf Dauer läuft.

Das kann man am besten in Arbeitsstunden pro Monat messen, ähnlich wie die eigene Arbeitszeit im Job. Wie weit kann ich diese Arbeitszeit reduzieren und fühle ich mich mit dieser Stundenzahl wohl, die ich dann dauerhaft investieren muss?

Daraus leitet sich auch der Stundenlohn ab, den mir das Investment einbringt. Die jährlichen Einnahmen, die ich über die Rendite rein bekomme, werden durch die Stunden geteilt, die ich pro Jahr reinstecken muss. Je höher dieser Stundenlohn desto besser. Und er sollte natürlich höher sein als der meiner normalen Arbeit. Sonst bringt mir das Ganze nichts. Aber das hatten wir ja schon.

Wie kann das im Einzelnen aussehen? Ich glaube, dass man so ziemlich jedes der klassischen Investments auf eine Stundenzahl bekommen kann, die weit unter 40 pro Woche liegt. Ein guter Trader sitzt irgendwann vielleicht nur noch zwei Stunden pro Tag am Rechner und macht in der Zeit das Geld, das er zum Leben braucht.

Beim klassischen Aktiendepot, wo im Wesentlichen wachstums- oder dividendenstarke Werte gekauft und gehalten werden, kann es auch bis zu wenigen Stunden im Monat runter gehen. Hier wird man im Wesentlichen die Nachrichten seiner Lieblinge verfolgen, den einen oder anderen Quartalsbericht lesen und vielleicht noch gucken, was es auf der einen oder anderen Hauptversammlung zu essen gibt.

Und selbst bei Immobilien kann man die Arbeit oft so weit abgeben, dass man lediglich noch den Telefonhörer schwingen muss, wenn irgend etwas ist, um den hauseigenen Lieblingshandwerker an den Apparat zu bekommen, den man sowieso zum nächsten Grillfest eingeladen hätte.

Allerdings kann dieses „wenn irgendetwas ist“ zu einem Argument für oder gegen ein bestimmtes Investment werden. Bei Immobilien kann wochen- oder monatelang Ruhe sein und dann wird plötzlich eine Reparatur fällig. Das kündigt sich manchmal vielleicht vorher schon an, aber es kann eben auch unverhofft passieren. Oder der Mieter kündigt und dann sind noch drei Monate Zeit um einen Nachmieter zu finden. Wenn ich dann ausgerechnet einen längeren Urlaub geplant habe, wird’s eventuell schwierig – oder ich muss mit Ausfällen rechnen, die evtl. die Rendite etwas schmälern.

Wonach man hier also am besten schauen sollte: das Investment sollte nicht nur von der reinen Zeit, die ich investieren muss, zum eigenen Lebensstil passen, sondern auch von der Verfügbarkeit, die ich als Investor an den Tag legen muss. Wie sind die Stunden über’s Jahr hin verteilt? Ich persönlich mag Investments nicht, bei denen plötzlich unvorhergesehene Dinge passieren können, um die ich mich dann schnellstmöglich kümmern muss. Selbst wenn zwischen den einzelnen Vorfällen monate- oder sogar jahrelang Ruhe ist. Der andere mag es vielleicht nicht, kontinuierlich und regelmäßig Zeit aufzuwenden. Selbst wenn es nur eine Handvoll Stunden im Monat sind.

Wie schon geschrieben, das ist ein untergeordnetes Kriterium. Das gehört dann eher in die Kategorie „Luxusprobleme“ wenn der Laden einmal läuft.

Skalierbarkeit

Die Skalierbarkeit eines Investments ist mehr oder weniger eine grundlegende Voraussetzung. Ich möchte, dass meine Anlage auch dann noch ihre Rendite abwirft, wenn ich so viel Geld investiert habe, wie ich brauche, um meinen Lebensstil auf Dauer finanziert zu bekommen.

Hier kommen wieder die Größenordnungen ins Spiel. Zum anfänglichen Lernen und um mit der Materie vertraut zu werden eignen sich Beträge in einer Größenordnung von einem bis wenigen tausend Euro. Selbst Totalverluste sind hier recht gut zu verkraften, weil ich sie selbst bei einem niedrigen Stundenlohn relativ schnell wieder drin habe und weiter machen kann.

Später will ich aber dann, dass die Rendite nicht einknickt, wenn mein Investment einmal auf eine Größenordnung von zehn- oder hunderttausend Euro angewachsen ist oder sich sogar im Millionenbereich bewegt. Und bei durchschnittlichen Renditen von 5-8% pro Jahr, wie wir es bei Aktien gesehen haben, werde ich die Millionengrenze schon knacken müssen um einigermaßen gut leben zu können. Eine Million, in einem gut laufenden Aktiendepot angelegt, ergibt nach Steuern eine Summe von rund 30.000 bis 50.000 Euro pro Jahr, je nach Steuersatz. Vielleicht auch etwas weniger oder etwas mehr, aber die Größenordnung ist im mittleren fünfstelligen Bereich. Das reicht meistens zum Leben. Auf dem Land fast überall. In einer Stadt wie München ist schon mal mindestens die Hälfte für die Miete weg. Da darf es dann auch gerne eine Million Kapital mehr sein.

Lange Rede, kurzer Sinn: es will vor der Einarbeitung in die Materie geprüft werden, ob die Anlage auch in siebenstelligen Größenordnungen funktioniert oder ob das Potenzial irgendwann gedeckelt ist. Bei vielen Investments ist das nämlich der Fall. Sparkonten zum Beispiel. Abgesehen davon, dass es heute sowieso keine Zinsen mehr gibt, auf denen sich etwas vernünftiges aufbauen lassen könnte, haben die meisten Tagesgeldkonten und Festgeld-Sparverträge einen Maximalbetrag, bis zu dem der mickrige Zinssatz gezahlt wird. Und der liegt oft in einer sechsstelligen Größenordnung, also z. B. bei 100.000 oder 250.000 Euro. Alles darüber hinaus wird oft wesentlich weniger oder sogar gar nicht verzinst.

Was definitiv bis in die Millionen und sogar weit darüber hinaus skaliert sind Aktien und Immobilien. Hier habe ich keine Probleme. Gerade bei Aktien ist die Bandbreite der Skalierbarkeit super. Man kann mit keinen Spielgeldbeträgen anfangen und wenn der Rubel einmal rollt, wird aufgestockt bis das Ziel erreicht ist.

Bei Immobilien ist es genau umgekehrt wie beim Tagesgeld. Hier muss ich von Anfang an mit größeren Beträgen einsteigen, weil eine einzelne Wohnung nun mal nicht für tausend Euro zu haben ist. Die Skalierbarkeit nach oben ist gegeben, nur im unteren Bereich hapert es. Und bei solchen Anlagen muss man aufpassen, dass man sich kein Klumpenrisiko einhandelt. Ich will in meinem Portfolio nach Möglichkeit größere Brocken vermeiden, die mir ein Loch in die Performance reißen, wenn etwas schief geht. Solche Anlagen sind also eher etwas für Leute, die schon etwas Grundkapital zusammen haben und nach einem zweiten Standbein suchen um zu streuen.

Lernkurve

Zur Lernkurve gibt es nicht so viel zu schreiben. Es handelt sich hier um die Zeit, die ich brauche, bis ich mich so weit in die Materie eingearbeitet habe, bis es rund läuft. Bis ich also bei dem Zeitaufwand angekommen bin, den ich mir beim Kriterium der Passivität ausgemalt habe.

Diese Zeit muss natürlich mit dem Lebensstil vereinbar sein, den ich aktuell habe. Ich muss mich parallel zu meinem Job in das Investment einarbeiten können, sonst funktioniert es schlichtweg nicht. Solange ich noch kein Geld investiert habe, habe ich hier auch keinen Druck. Alles kann locker in der Freizeit passieren und ich kann es auch mal ein paar Wochen oder Monate liegen lassen, wenn gerade wichtigeres ansteht. Aber sobald das Eisen mal im Feuer ist muss ich mit Verlusten rechnen, wenn die Zeit einmal knapp werden sollte.

Also: wie viel Zeit brauche ich, um zu lernen? Wieviele Wochenstunden – und über welchen Zeitraum wird sich das hinziehen?

Beim Trading reicht es oft schon, ein gutes Buch zu lesen und dann mit einem Musterdepot auf dem Papier anzufangen. Und selbst wenn ich schon auf echtes Geld umgestiegen bin, eine Pause kann ich jederzeit einlegen, wenn ich alle Positionen glatt gestellt habe. Bei einem Aktiendepot oder wenn ich guten Tradern folge kann es noch einfacher sein. Hier habe ich im besten Fall so gut wie gar keinen Aufwand, wenn ich den richtigen erwische.

Und bei anderen Geschichten wie z. B. Immobilien kann die Einarbeitung schon fast zum Vollzeitjob werden. Hier muss ich wissen, wie das mit dem Kauf, dem Notar und den ganzen Steuern läuft. Ich brauche einen guten Gutachter und muss gerade in der Anfangszeit Mieter suchen, wenn die Wohnung leer steht. Und so weiter.

Bitte nicht falsch verstehen, ich will niemandem das Investment in Immobilien abspenstig machen. Ich habe mir selbst eine ganze Zeit lang überlegt, das einmal anzugehen. Ich habe mich nur selbst aus genau diesen Gründen dagegen entschieden. Die initiale Lernkurve ist, ähnlich wie die Passivität, ein sekundäres Kriterium. Aber meiner Erfahrung nach sollte man sich zumindest ein paar Gedanken dazu gemacht haben.

Eignung

Hier geht es darum, wofür sich eine Geldanlage überhaupt eignet. Die meisten Anlagen sind als Investments gedacht, also um mehr aus meinem Geld zu machen. Es gibt aber auch ein paar, die man prima für andere Zwecke verwenden kann und es ist wichtig, zwischen den einzelnen Klassen zu unterscheiden. Denn nicht jede Anlage passt zu jedem Zweck.

Die klassischen Investments sind, wie schon geschrieben, dazu da, um Geld zu vermehren. Dafür geht man mit seinem sauer Verdienten ein gewisses Risiko ein. Das sind üblicherweise Anlagen in Aktien, Immobilien, Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, das Trading mit allem möglichen was einen Preis hat (Aktien, (Krypto-)Währungen, Rohstoffe, Metalle, Öl usw.) und das Verleihen von Geld gegen Zins.

Im Gegensatz dazu gibt es auch Anlagen, die als Wertspeicher gedacht sind. Hier will man möglichst wenig Risiko haben. Das eigene Geld soll so geparkt werden, dass es über die Zeit hinweg seinen Wert behält, damit ich es jederzeit wieder zu Geld machen kann, wenn ich einmal welches brauche.

Das klassische Sparbuch oder das Bündel mit Bargeld unter der Matratze wäre ein Beispiel, auch wenn hier der Geldwert über die Zeit hinweg durch die Inflation aufgefressen wird. Und dabei arbeitet der Zinseszins-Effekt gegen uns. Das macht sich nicht gleich und auch nicht sehr offensichtlich bemerkbar. Wertverlust durch Inflation ist mehr ein schleichender Prozess, der sich über die Jahre hinweg aufakkumuliert. Ich habe selbst ein paar Bargeld-Reserven an einem sicheren Ort verwahrt, für die absoluten Notfälle. Es ist allerdings nicht viel, weil unser Geld mehr und mehr zu einem renditelosen Risiko wird.

Ein sehr guter Wertspeicher ist Gold, evtl. auch Silber und andere Edelmetalle. Gold hat seinen Wert über mehrere Jahrtausende beibehalten. Schon im alten Rom konnte man sich für eine Unze Gold eine hochwertige Toga kaufen. Das ist in etwa vergleichbar mit einem maßgeschneiderten Herrenanzug in unserer Zeit. Der kostet je nach Schneider auch gerne mal um die 500 bis 1.000 Euro. Und vor etwa 100 Jahren, als die ersten Automobile industriell gefertigt vom Fließband gerollt sind, hat man für rund 10-15 Unzen Gold einen Ford Modell T bekommen. Und für die gleiche Menge Gold bekommt man heute auch einen soliden neuen Kleinwagen, evtl. sogar mehr. Gold wirft zwar keine Rendite ab, aber es verliert seinen Wert über die Zeit auch nicht. Daher ist es prima geeignet, um den eigenen Notgroschen stabil und zudem noch sehr platzsparend anzulegen.

Lagerung

Beim letzten Kriterium von Investments schauen wir uns an, wie und wo es überhaupt aufbewahrt wird. Das ist wichtig zu wissen, weil so ein Investment eine langfristige Sache ist. Ich möchte, dass es so aufbewahrt wird, dass es vor dem Zugriff Unbefugter geschützt ist.

Die meisten Anlagen sind heute digital. Das gilt für Aktien und auch andere Handelsgüter, wo üblicherweise Kontrakte, Optionen oder andere Derivate den Besitzer wechseln, und keine Schweinebäuche oder Ölfässer mehr physisch an einen Trader ausgeliefert werden. Hier sollte man sich das Handelshaus oder die Bank anschauen, bei der man sein Depotkonto haben möchte. In welchem Land sitzt sie? Wie ist sie reguliert? Wie renommiert ist die Bank? Bei sämtlichen großen Bankhäusern hier in Europa und auch in den USA hätte ich keine Probleme damit, ihnen dauerhaft mein Geld anzuvertrauen. Dazu kommt, dass Aktien, Fonds, ETFs und Zertifikate rein rechtlich als Sondervermögen behandelt werden, d. h. selbst bei einer Pleite der Bank fließen sie nicht in die Insolvenzmasse sondern der Besitzer hat das Recht, sie auf ein anderes Depotkonto zu transferieren.

Vorsichtig bin ich bei den ganzen Discount-Brokern, die es inzwischen gibt. Hier habe ich zum Teil selbst schlechte Erfahrungen gemacht und auch schon negatives gehört. Man muss z. B. damit rechnen, dass die günstige Ordergebühr dadurch wieder reingeholt wird, dass gerade bei größeren Stückzahlen seitens des Brokers ein schlechterer Kurs angeboten wird als bei einer Großbank. Oder es fließen Provisionen, die man zuerst nicht sieht. Bei meiner Bank bekomme ich die Kosten einer Order auf den Cent genau mitgeteilt, und zwar bevor ich auf den Kaufen-Knopf drücke. Vorher war ich bei einem Discounter, bei dem ich von diversen Provisionen erst im Folgejahr durch einen Brief erfahren habe, den die wahrscheinlich inzwischen gesetzlich gezwungen sind zu verschicken. Aber auch unabhängig von den Geschäftspraktiken würde ich meine finanzielle Grundlage lieber bei einer etablierten Bank lagern, die schon seit mehr als ein paar Jahrzehnten existiert und damit auch bewiesen hat, dass sie schwere Krisen überleben kann.

Bei Kryptowährungen ist das leider (noch) anders. Hier muss man sich aktuell noch selbst um die Verwahrung kümmern. Die dauerhafte Lagerung auf einer Kryptobörse ist ähnlich riskant wie ein größeres Depot bei einem sehr jungen Discounter zu haben. Hier würde ich mich allerhöchstens mit einer Streuung meiner Assets über verschiedene große Börsen wohl fühlen.

Seit Anfang 2020 gibt es ein Gesetz in Deutschland, dass es Banken erlaubt, Kryptowährungen zu verwahren. Ganz ähnlich wie bei einem Fremdwährungskonto. Allerdings gibt es dazu bisher noch keine Angebote. Also wird man bis auf weiteres seine Bitcoins selbst schützen müssen. Die Materie dazu ist etwas komplexer und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Also bei Bedarf… du kennst ja inzwischen den Link zu meiner Feedback-Umfrage.

Nicht alle guten Anlagen sind digital. Immobilien sind das Paradebeispiel. Sie „lagern“ auf ihrem jeweiligen Grundstück. Ich glaube, dazu gibt es nicht viel zu sagen. Wer sowieso schon ortsgebunden leben möchte, für den kann das genau das richtige sein. Und wer digitaler Nomade ist oder werden möchte, für den sind dann Immobilien als Geldanlage eher nicht so geeignet – außer vielleicht man kennt einen guten Verwalter, dem man bereit ist ein Stück des Kuchens abzugeben.

Für eigen gelagerte physische Güter wie Gold, Silber oder Bargeld gibt es im Wesentlichen die beiden Möglichkeiten, ein Schließfach bei einer Bank oder einem Edelmetallhändler anzumieten oder den klassischen Safe im Keller. Der muss auch nicht unbedingt im eigenen Keller stehen. Vielleicht tut es auch das Elternhaus, das seit mehreren Generationen steht oder man hat ein Ferienhaus, das so abgelegen ist, dass man sein Erspartes dort sicher wähnt.

Wenn für dich die Kostenseite bei der Aufbewahrung eine Rolle spielt: der Safe im Keller kostet einmalig etwas mehr und das Schließfach dauerhaft eine Jahresgebühr. Ebenfalls Geschmackssache. Wichtig ist nur, man hat hier neben der Anschaffung evtl. auch laufende Kosten, die berücksichtigt werden wollen.

Das Schließfach hat evtl. im Gegensatz zur eigenen Lagerung den Nachteil, dass es problematisch werden könnte, wenn es zu einem Verbot kommen sollte. In der Vergangenheit war das für Gold schon einige Male der Fall. Dann würde der Staat vermutlich ein Gesetz erlassen, dass beim nächsten Schließfachbesuch ein Polizeibeamter kontrollieren darf, ob dort keine verbotenen Güter lagern. Das kann mit dem Safe im Keller nicht passieren. Ich halte allerdings die Wahrscheinlichkeit für sehr gering, dass so etwas in heutigen demokratisch regierten Ländern noch einmal vorkommt. So ein Verbot ist schließlich ein massiver Einschnitt in das Recht auf Eigentum, das von Verfassungen bzw. Grundgesetz garantiert wird.

Ich glaube, die Risiken sind bei beiden Varianten ähnlich gering. Es geht hier mehr darum, mit welcher Variante ich mich wohler fühle und besser schlafen kann. Natürlich kann ich meinen Besitz auch auf beide Varianten aufteilen. Das vereint zwar die Nachteile der einzelnen Möglichkeiten, aber ein Verlust trifft dann auch nur einen Teil des Vermögens.

Und dann gibt es noch fremd gelagerte physische Investments wie z. B. Zertifikate auf Edelmetalle (sogenanntes Papiergold), Warenkörbe von Industriemetallen und ähnliches. Bei solchen Anlagen hilft eigentlich nur eine gute Recherche über den Anbieter oder jemanden, dem ich z. B. über Empfehlungen vertrauen kann. Mir persönlich ist bei solchen Geschichten das Risiko für schwarze Schafe inzwischen zu groß. Dazu habe ich schon bei zu vielen Investments mitgemacht, wo irgendwann irgend etwas schief gelaufen ist. Ich möchte, dass meine Anlagen langfristig laufen. Das heißt über mehrere Jahrzehnte hinweg. Und da kann viel passieren. Wenn ich schon bereit bin, für meine finanzielle Zukunft Eigenverantwortung zu übernehmen, dann sollte ich sie nicht wieder aufs Spiel setzen indem ich meinen Notgroschen anderen anvertraue – und für mehr als den eigenen Notgroschen würde ich physische Güter nicht verwenden, da sie üblicherweise klassische Wertspeicher sind, die keine Rendite abwerfen.

Fazit

Investments haben verschiedene Kriterien, acht an der Zahl, nach denen man sie beurteilen kann. Das wohl wichtigste Kriterium ist die Rendite, ausgedrückt in durchschnittlicher Steigerung pro Jahr in Prozent. Dicht gefolgt kommen die Laufzeit in Jahren (mindestens fünf, besser zehn unter realen Bedingungen) und das Risiko. Das sind die drei wichtigsten Kriterien zur Beurteilung eines Investments.

Jedes Risiko hat eine Wahrscheinlichkeit, mit der es eintritt. Die sind aber meistens schwer zu beziffern. Was hier hilft ist Erfahrung und solange man die nicht hat, besser nur mit kleinen Beträgen einsteigen. Aber trotzdem loslegen, von Nichts kommt Nichts. Und Vorsicht vor dem eigenen Bauchgefühl. Es kann trügen, zumindest am Anfang der Investment-Karriere.

Ein Investment sollte möglichst passiv sein. Die Zeit, die ich langfristig zur Pflege investieren muss, sollte weit unterhalb der eines Vollzeitjobs liegen, im besten Fall bei wenigen Stunden im Monat. Es muss skalierbar sein, also auch mit einer Anlagesumme im Millionenbereich so gut funktionieren, dass es die versprochene Rendite abwirft.

Die Lernkurve zur Einarbeitung muss mit dem Lebensstil und der Zeit vereinbar sein, die ich zur Verfügung habe. Und ich möchte mir anschauen, ob die Anlage überhaupt für meine Zwecke geeignet ist (brauche ich es zum Vermehren meines Geldes oder eher als Wertspeicher) und wo und wie sie gelagert wird, damit jemand anderes nicht einfach damit verschwindet.

So weit, so gut. Dies war der letzte Artikel zur Grundlagen-Serie. Du bist jetzt bereit, dir die Investments auszusuchen, die zu dir passen.

Du hast hier jede Menge allgemeine Infos bekommen, die dir helfen können, verschiedene Investments zu beurteilen. Wahrscheinlich denkst du dir jetzt: schön und gut, damit kann man schon mal ziemlich viel anfangen. Aber jetzt geht ja die Arbeit erst los. Ich müsste als Nächstes anfangen zu recherchieren, welche Investments welche Kriterien haben und meine Erfahrungen mit den einzelnen Sachen machen um zu sehen, was für mich geeignet ist. Das haben doch schon jede Menge Leute vor mit gemacht, kann mir da nicht einer davon mehr erzählen?

Du hast völlig recht. Ich plane auch schon die nächste Artikelserie für diesen Blog, die genau dieses Thema abdeckt. Aber bevor ich weiter mache, brauche ich etwas von dir. Du kannst es dir vermutlich schon denken, ich habe es in den Artikeln immer wieder angesprochen. Ich brauche deine Meinung.

Ich will wissen, wie der Blog bei dir ankommt. Gibt er dir das, was du haben willst und brauchen kannst? Gefällt dir der Schreibstil und animiert er dich zum Weiterlesen oder musst du dich eher durchkämpfen um an die Infos zu gelangen, die für dich relevant sind? Wenn ich solch Dinge weiß, kann ich mich weiter entwickeln und euch da draußen genau den Mehrwert bieten, den ihr braucht.

Also, wenn es weiter gehen soll, dann…

… geig‘ mir deine Meinung!

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