4. Ans Eingemachte: den Geldhahn aufdrehen.

4. Ans Eingemachte: den Geldhahn aufdrehen.

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So, jetzt wissen wir, dass das „liebe Geld“ weder gut noch schlecht ist und dass wir es auch für private Zwecke anhäufen dürfen. Aber wie macht man das so nachhaltig, dass man es nicht nur halten sonder auch vermehren kann und sich irgendwann nicht mehr in Vollzeit darum kümmern muss?

Reserve-Depots – die persönliche Rückversicherung

Den ersten Schritt haben wir bereits gelernt: Werde dir über den Umfang deines Lebensstils (monatliche Einnahmen vs. Ausgaben) und den aktuellen Stundenlohn klar. Das können wir noch etwas verfeinern, indem man sich die folgenden Fragen stellt:

  1. Wie viel Geld brauche ich, um mich in Notfällen soweit über Wasser zu halten, dass ich auf dem gleichen Niveau wie vorher weitermachen kann, sobald ich mich ausreichend um diesen Notfall kümmern konnte?
  2. Welche kurz- und mittelfristigen Ziele hast du und welche kurz- und mittelfristigen Anschaffungen planst du?
  3. Welche davon sind notwendig, um das langfristige Ziel der finanziellen Freiheit zu erreichen, sodass gleichzeitig der Spaß zwischendurch nicht zu kurz kommt?

Auch die erste Frage kenne wir schon aus Kapitel 2. Hier gilt die Faustregel, dass wir einen Notgroschen brauchen können, der uns für etwa 6 Monate über Wasser hält, also 6x den aktuellen monatlichen Lebensstil abdeckt.

Bei der zweiten Frage geht es um Dinge, die wir uns in der nächsten Zeit zulegen wollen, die allerdings so teuer sind, dass wir sie nicht aus der Portokasse bezahlen können. Grob gesagt gilt das für alle Anschaffungen, die den aktuellen monatlichen Lebensstil vom Kaufpreis her übersteigen, und zwar so weit, dass man mehr als einen Monat braucht um dafür zur Seite zu legen. Das kann eine neue Waschmaschine oder ein neues Auto sein, aber auch ein neuer Computer, den ich zum arbeiten brauche oder ähnliches.

Hier sollten nicht nur neue Anschaffungen berücksichtigt werden sondern auch andere größere Ausgaben, die in den nächsten Monaten oder Jahren notwendig werden können. Eigenheim-Besitzer kennen das vielleicht. Plötzlich leckt die Dachrinne und ein Handwerker muss her. Wenn die Reparatur was größeres wird, sind da schnell mal ein par tausend Euro weg. Oder das Auto muss in die Inspektion oder zum TÜV und der Auspuff muss erneuert werden. Für solche Dinge ist es gut, ein kleineres Finanzpolster zu haben, auf das man im Falle des Falles zurückgreifen kann.

Die Klassifizierung dieser zukünftig geplanten Anschaffungen in notwendige oder Luxus / Schnickschnack passiert in Frage Drei. Was brauche ich demnächst unbedingt? Was will ich haben, weil es mich motiviert? Worauf kann ich verzichten?

Wenn diese Fragen ausreichend beantwortet sind und einigermaßen klar ist, welche Beträge hier auf uns zu kommen, dann können wir beginnen, ein Reserve-Depot zu definieren um diese Dinge zu finanzieren. Das ist so etwas wie die eigene, persönliche Rückversicherung. Eine Versicherung springt dann ein, wenn ein unerwartetes Ereignis eintritt, das vorher abgesichert wurde, und bezahlt das. Dafür zahle ich in der Zeit davor Beiträge an diese Versicherung. Der Aufbau dieser Reserve-Depots läuft nach dem gleichen Schema. Ich lege jeden Monat etwas Geld zurück und zahle es in verschiedene Konten ein, bis diese ausreichend gefüllt sind. Tritt der Fall ein, für den ich das Konto angelegt habe, dann bediene ich mich daraus und fange anschließend wieder mit dem Auffüllen an.

Ich persönlich verwende die folgenden vier Konten für meine Reserve:

  1. Überleben: für Notfälle und um mich über Wasser zu halten, wenn unerwartet die Einnahmen wegbrechen. Ausreichend gefüllt bei: 6x monatlicher Lebensstil.
  2. Ansparen: Anschaffungen, die von der Größenordnung her nicht aus der Portokasse zu bezahlen sind. Ausreichend gefüllt bei: Summe der geplanten Anschaffungen der nächsten 2-5 Jahre ist erreicht
  3. Rückstellen: Reserve für Notfälle (Reparaturen etc.). Ausreichend gefüllt bei: Summe der geplanten Reparaturen der nächsten 2-5 Jahre ist erreicht
  4. Spaßkonto: für motivierenden Luxus, Urlaub, Partys, Spaß etc. Ausreichend gefüllt bei: Summe der geplanten Ausgaben / Urlaube der nächsten 12 Monate ist erreicht

Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob er das genauso handhaben will und jeder wird seine eigenen „ausreichend-gefüllt“-Beträge haben, mit denen er sich wohl fühlt. Wichtig ist nur, dass hier eine gewisse Disziplin herrscht und die Konten nur für den Zweck geplündert werden, für den sie gemacht sind.

Was ist mit Schulden?

Was aber mache ich, wenn ich noch irgendwelche Schulden abzubezahlen habe? Soll ich das gleich tun? Oder möglichst rauszögern? Die Antwort hier: kommt darauf an. Auch Schulden haben eine „Rendite“, die ist für den Schuldner nur negativ. Die Gretchenfrage hier lautet: wie groß ist die monatliche Zinslast? Theoretisch lohnt ein Abbau nur dann, wenn keine Investition mit größerer Rendite vorhanden ist, in die ich zum gleichen Zeitpunkt einzahlen könnte. Es gibt sogar Leute, die machen Schulden zu möglichst niedrigen Zinsen und nutzen das Geld, um anderweitig einiges mehr zu verdienen. Um genau zu sein ist das eines der ältesten Konzepte von Unternehmern. Die nennen das investieren. Insbesondere beim Aufbau eines Unternehmens hat sich das zigtausendfach bewährt. Viele Unternehmer mit genialen Geschäftsideen wollen oder können nur mit anderer Leute Geld starten. Aber Vorsicht: genauso zigtausendfach sind Leute schon pleite gegangen, weil sie sich mit dieser Strategie verschätzt oder überhoben haben. Je höher der Schuldenberg, desto höher das Risiko, seine Zins- und Tilgungslast bei unvorhergesehenen Ereignissen nicht mehr bezahlen zu können. Das ist das klassische Verhältnis von Rendite zu Risiko, was jeder individuell für sich selbst bestimmen sollte. Wenn man mit dem Gedanken spielt, absichtlich Schulden zu machen, sollte man sich das gut überlegt haben, wissen was man tut und die eigenen Kontostände und Geldflüsse im Auge behalten.

Um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: üblicherweise lohnt es sich, Konsumschulden möglichst schnell zu tilgen. Sie haben meistens die höchsten Zinssätze. Das sind z. B. Posten auf der Kreditkarte, ein überzogenes Dispo oder Ratenzahlungen bei Käufen von Elektroartikeln. Letztere sollte man im Idealfall erst gar nicht eingehen sondern über die oben erwähnten Reserve-Depots abdecken. Das ist nachhaltig günstiger. Bei diesen supergünstig angebotenen Null-Prozent-Finanzierungen rechne ich gerne mal zuerst alle Monatsraten zusammen und vergleiche mit dem Kaufpreis bei Sofort-Zahlung. Die Differenz geteilt durch den Kaufpreis mal 100 ergibt den tatsächlich gezahlten Aufschlag in Prozent. Wenn der tatsächlich bei nahe 0 ist, spricht nichts dagegen, die eigene Liquidität etwas zu strecken – sofern sich der Zeitaufwand zum Ausfüllen der Kreditverträge in vernünftigem Rahmen hält. Solcher Papierkram gehört nicht gerade zu den Dingen, die ich gerne mache.

Alle anderen Schulden von Bafög-Rückzahlungen über Altlasten aus Gerichtsverfahren bis zum Kredit aufs Eigenheim würde ich Rendite-abhängig tilgen. Faustregel: Bei einem Zinssatz von unter 2-4% möglichst langsam, weil ich das Geld anderweitig gewinnbringender anlegen kann und die Differenz zwischen Schuldzins und Rendite der Anlage für mich arbeitet. Bei höheren Zinssätzen möglichst schnell tilgen, aber auch nicht so schnell, dass ich ansonsten nicht mehr zum Aufbau oder Auffüllen meiner Reserve-Depots komme oder kein Geld für Investitionen mehr übrig habe.

Geldflüsse – wohin mit dem Zaster?

Und damit wären wir schon fast durch. Wenn es also geschafft wurde, durch Erhöhung des Stundenlohns oder Reduktion des Lebensstils Überschüsse zu erwirtschaften, dann sollten also diese Überschüsse in den Vermögensaufbau gehen, sobald die oben erwähnten Schulden ausreichend abgebaut und die Reserve-Depots ausreichend gefüllt sind. Was „ausreichend“ bedeutet, liegt jeweils im Auge des Betrachters. Das sollte inzwischen jeder für sich selbst ausrechnen können.

Mutige beginnen schon früher mit dem investieren, damit das Ganze einen schönen Fluss ergibt. Auch der Wissensaufbau läuft damit leichter und die Motivation kann sich erhöhen. Wenn ich erst einmal 20 Jahre „malochen“ muss, bis ich meinen Immobilienkredit auf den letzten Cent abbezahlt habe, und danach erst mit den Investitionen anfange, kann das ganz schön demotivierend sein. Wir haben gelernt, dass es 20-30 Jahre dauern kann, bis wir von unseren Investments leben können. Erst Schulden abbauen und dann anfangen mit Investieren summiert sich also schnell mal auf 40-50 Jahre insgesamt auf. Und wenn man mit Mitte 30 loslegt, ist man also irgendwann mit um die 80 fertig. Immerhin freuen sich dann die Nachkommen über ein sattes Vermögen – sofern sie gelernt haben, es zu pflegen und zu halten. Spaß beiseite. Besser ist es natürlich, den Schuldenabbau und den Vermögensaufbau zu parallelisieren. Wenn ich mit 100.000 Euro Schulden und gleichzeitig 100.000 Euro Vermögen starte, dann habe ich unterm Strich zwar Null. Aber ich habe immerhin einen Betrag, mit dem ich arbeiten und der wachsen kann. Denn wie oben erwähnt, arbeitet die Differenz von Schuldzins und Investment-Rendite üblicherweise für mich. Das ist also besser als stattdessen komplett bei Null anzufangen.

Zu den Investments kann abschließend noch folgendes gesagt werden: Zum Anfang würde ich mich mit einem Haupt-Investment befassen, bis ich ich dem Bereich genug Wissen und Sicherheit aufgebaut habe, dass es mehr oder weniger automatisch läuft. Sobald das der Fall ist, sollte man sich auf ein zweites Investment konzentrieren, das unabhängig vom ersten ist und ab dann parallel dazu aufgebaut werden kann. Z. B. eine Immobilie zum Vermieten als Ergänzung zu einem Aktiendepot. Damit streut man das Risiko und wenn eine Anlage sich gerade in einer Krise befindet, wirft die andere noch weiter schön stetig Rendite ab. Zwei Hauptstandbeine sind gut, drei sind besser. Vier oder mehr sind super. Letzteres macht natürlich nur dann Sinn, wenn der zusätzliche Zeitaufwand zum Einarbeiten, Lernen, Aufbauen und Managen verkraftbar ist.

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